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Bäderschließungen - Eine kritische Betrachtung Teil 2

BSG-Institut
Veröffentlicht von in Allgemein · 16 August 2019
Tags: Bäderschließung
Als Grund für Schließungen nennen die Betreiber meistens die hohen Kosten für die nötigen bauerhaltenden Maßnahmen. Eine Ausrede, die so manchem Kämmerer sehr gelegen kommen dürfte. Aufgrund der Verfehlungen der vergangenen Jahre stellt der Renovierungsstau ein nicht unbedeutendes Problem dar. Viele Bäder, die in den „goldenen Jahren“ gebaut wurden, haben nun ein Alter erreicht, oft auch schon überschritten, das umfangreiche Renovierungsmaßnahmen unumgänglich macht. Im Jahr 2000 veröffentlichte die Sportministerkonferenz (SMK) eine „Sportstättenstatistik der Länder“. Darin kam die SMK zu dem Schluss, dass nahezu für jedes zweite Bad in den alten Bundesländern Sanierungsbedarf besteht.



Ein Argument, das bei der Schließung eines Bades vorgeschoben wird, ist oft, dass die nun zur Verfügung stehende Restwasserfläche auf jeden Fall noch ausreiche. Man habe ja noch ein Freibad, das genutzt werden könne oder das Bad in der Nachbarstadt.
Dass das Ausweichen auf die Nachbarstadt nicht immer eine brauchbare Lösung ist, merkte man vor einigen Jahren im Bad Nenndorfer Hallenbad (Niedersachsen). Im Landkreisbad trainierten zeitweise vier DLRG-Gliederungen und mindestens ein Schwimmverein. Nachdem das „Tropicana-Bad“ in der Nachbarstadt Stadthagen ein Opfer der Flammen geworden war, nutzten auch die dortigen Schwimmvereine das Nenndorfer Bad. Hinzu kamen die Nenndorfer Schulen und Schulklassen aus dem Stadthäger Einzugsgebiet.
Entsprechend eingeschränkt waren die jeweiligen Trainingszeiten. Der Ausbildungsbedarf konnte von der DLRG vor Ort nicht erfüllt werden. Es gab lange Wartelisten für einzelne Angebote.
Das Problem der schrumpfenden Wasserfläche entsteht aber auch, wenn die Stadt bereit ist, Renovierungen vorzunehmen. Zum Teil gestalten sich die Instandhaltungsmaßnahmen kompliziert und nicht selten wird aus 6 Wochen Schließung dann ein halbes Jahr oder mehr.

Steigende Ertrinkungszahlen
Der Verlust nutzbarer Wasserfläche wird durch den Umstand verstärkt, dass in den letzten Jahren herkömmliche Hallenbäder immer mehr den Spaßbädern gewichen sind. Diese sind oft nicht nur ungeeignet für eine Ausbildung im Rahmen der Schwimmsport treibenden Vereine, sondern auch bei den Eintrittsgeldern zu teuer.
Betrachtet man die aktuelle Situation und die Prognosen für die Zukunft, so lässt sich ein düsteres Szenario zeichnen. Auch wenn nicht jede Hallenbadschließung gleichbedeutend mit einem Anstieg der Ertrinkungszahlen ist, lässt sich dennoch festhalten, dass das Schließen der Bäder zu einem Rückgang der Ausbildungszahlen im Bereich des betreffenden Bades führt, was sich dann bundesweit in den oben von der DLRG angegebenen Zahlen zur Schwimmfähigkeit niederschlägt.
Wer sicher schwimmen kann, die Gefahren am und im Wasser kennt und gelernt hat, wie er sich im Gefahrenfall zu verhalten hat, kommt seltener in entsprechende Notsituationen oder weiß diese besser zu bewältigen. Somit kann der Rückgang der Ausbildungszahlen durchaus mit einer Steigerung der Ertrinkungszahlen einhergehen. Eine direkte Beziehung zwischen Hallenbadschließungen und Ertrinkungszahlen herzustellen ist jedoch eine gefährliche Argumentation, die man im Kampf um den Erhalt eines Bades nur sehr vorsichtig ins Spiel bringen sollte. Zudem darf bezweifelt werden, dass es den Stadtkämmerer wirklich interessiert, ob seine Sparmaßnahmen das Leben, von Kindern, gefährden. Die reinen Ertrinkungszahlen lassen sich heute auch gar nicht mit denen von vor 10 Jahren vergleichen. Ein relativ großer Teil der Ertrunkenen sind Flüchtlinge. 2018 waren 33 von 504 Ertrunkenen Flüchtlinge. Das ist im Verhältnis mehr, als ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt. 2017 lag diese Zahl übrigens noch höher. Diese Menschen ertrinken natürlich nicht, weil es bei uns zu wenige Schwimmbäder gibt, sondern weil in ihren Heimatländern eine entsprechende Ausbildung nicht angeboten wird.
Überhaupt ertrinken in Deutschland im Durchschnitt nur 0,43 von 100.000 Menschen. In den USA sind es immerhin 1,13, in Thailand 7,67 und in Angola sogar 23,34. Wir haben so gesehen also ein Luxusproblem.

Dieses Argument überzeugt also sicher keinen Kämmerer, mehr Geld für einen Bäderbetrieb auszugeben. Andere Argumente, die weiter unten aufgeführt werden, haben im lokalen Bereich weitaus größere Bedeutung.


Mehr zu diesem Thema in Kürze.


2 Kommentare
Durchschnittliche Bewertung: 120.0/5
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Heiko Reckert
2019-08-22 09:32:16
Teil 3 steht jetzt online. Neben dem gesundheitlichen Aspekt gibt es sicher noch viele andere Gründe für den Erhalt von Bädern. Im im Bereicht angeführten Beispiel des Bades in Hemer führte der Verein "Pro-Bad" sogar die Bedeutung des Bades im Katastrophenschutz als Reservoir für Löschwasser an.
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