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Bäderschließungen - Eine kritische Betrachtung Teil 3

BSG-Institut
Veröffentlicht von in Allgemein · 22 August 2019
Tags: Bäderschließungen
Stehen wir allein da?
Meist spielen sich Schließungen im Verborgenen ab. Nur in seltenen Fällen, wie beim Brand des Tropicana in Stadthagen (Kreis Schaumburg in Niedersachsen), erfährt eine große Öffentlichkeit über die jeweiligen Ortsgrenzen hinaus vom Verlust eines Bades. So ist der Erfahrungsaustausch unter betroffenen Schwimmsport treibenden Vereinen landes- und bundesweit auch zurzeit noch eher gering. Entsprechende Internetseiten wurden, obwohl relativ hoch im Suchmaschinen-Ranking, kaum genutzt und ein Forum zum Thema Bäderschließung verzeichnete seit Jahren keinen Eintrag mehr und ist inzwischen geschlossen. Doch nur ein verbandsübergreifender Informationsaustausch zwischen Fachpersonal und den Schwimmverbänden kann dauerhaft zum Erfolg führen. Sind sich die einzelnen Gruppe untereinander uneinig, vergrößert sich die Gefahr einer Schließung. Diese fehlende Geschlossenheit ist eine große Schwäche der „Kämpfer für ein Bad“.



Es ist kein Geheimnis, dass zwischen DLRG, Schwimmverein und Wasserwacht nicht immer die besten Beziehungen bestehen und dem gegenüber viele Fachangestellte für Bäderbetriebe den Rettungsschwimmer an sich als unerwünschten Fremdkörper und nicht selten sogar als „Totengräber“ des Fachangestellten-Berufes sehen, so als sei es das Ziel der Rettungsschwimmer, alle Fachangestellten aus dem Bad zu treiben.
Dass die verschiedenen „Merkblätter“ zur Aufsicht in Bädern dieses Problem durch eine größere Anerkennung der Rettungsschwimmer noch verstärken, wirkt sich, wenn es darum geht, gemeinsam am Bädererhalt zu arbeiten, in der Regel auch nicht positiv aus. Ein einheitliches Auftreten kommt darum nur selten vor.
Dabei könnte das Problem in absehbarer Zeit etliche Vereine betreffen und ein einiges Vorgehen wäre darum im Interesse aller.
Der niedersächsische Landesschwimmverband hatte schon Ende 2002 mit Wolfgang Hein einen Bäderbeauftragten ernannt. Hein nahm eine Bädersituationsabfrage bei Schwimmvereinen in Niedersachsen vor. Von den 104 antwortenden Vereinen gaben 9 Prozent an, dass ihr Bad in den vergangenen Jahren geschlossen wurde. 37 Prozent befürchteten, ihnen drohe im Jahre 2003 oder 2004 eine solche Schließung.
Das bedeutet, dass im Jahre 2005 im ungünstigsten Fall jedes dritte Bad dieser Vereine für ein Training bzw. für qualifizierte Ausbildung nicht mehr zur Verfügung stand. Verlässliche Zahlen, ob dies wirklich der Fall war, gibt es nicht. Sicher ist aber, dass die Lage nach wie vor an vielen Orten sehr angespannt ist.
Immerhin zeigte sich 2002 jeder vierte Verein in der Befragung bereit, das Bad in Eigenregie zu übernehmen, um eine Schließung zu vermeiden. Eine Überlegung, die den Fachangestellten für Bäderbetriebe natürlich auf den ersten Blick wenig behagt. Interessanterweise ist dieses Unbehagen auch auf der Seite der Vereine groß, wollen die Sportler von DLRG, Wasserwacht und Schwimmverein doch primär schwimmen und nicht Bäder betreiben.
Die Problematik besteht in vielen Fällen nicht darin, dass die Badbetreiber Geld sparen wollen und darum statt eines Fachangestellten für Bäderbetriebe lieber einen „billigen“ Rettungsschwimmer einstellen. Nicht selten ist auf dem Markt der Fachangestellten keine Fachkraft mehr zu bekommen. Darauf gegen wir später noch genauer ein.

Rettung Betreiberverein?
Der Betreiberverein scheint manchmal die einzige Möglichkeit, zur Rettung der Schwimmstätte. Doch nicht jeder Sportverein ist finanziell und personell in der Lage, ein Bad zu betreiben oder sich an einem Betreiberverein zu beteiligen. Schließlich ist der Vereinszweck ja nicht der Badbetrieb, sondern der Schwimmsport, sodass hier in der Regel schon satzungsrechtliche Bedenken als erstes Hindernis auftreten.
Ein erfolgreiches Beispiel für ein solches vereinsgetragenes Betreibermodell ist das Sonnenbrinkbad in Obernkirchen (Niedersachsen). Das älteste Freibad im Landkreis Schaumburg sollte 1998 geschlossen werden. Rat und Verwaltung der Stadt sahen keine Möglichkeit, die Sportstätte bei den jährlich anfallenden Betriebskosten von 400.000 DM weiter geöffnet zu halten. Alle „freiwilligen Leistungen“, wozu auch der Betrieb von Sportstätten gehört, sollten abgebaut werden. Das Freibad drohte eines der ersten Opfer der Sparpolitik zu werden. Ein bereits 1995 gegründeter Förderverein übernahm daraufhin das operative Geschäft, während die Kommune im Beirat paritätisch mit dem Verein die Aufsicht führt. Einsparungen bei den Kosten ergaben sich unter anderem durch den vermehrten Einsatz ehrenamtlichen Personals.
Hier wird allen Fachangestellten und Meistern für Bäderbetriebe unter den Lesern wieder der Gedanke vom bereits oben angesprochenen Totengräber kommen. Allerdings muss man ganz klar sagen, dass der Betreiberverein die letzte Möglichkeit war, eine komplette Schließung zu verhindern. In solchen Beispielen wird also streng genommen mit viel ehrenamtlichem Engagement meistens wenigstens ein Teil der Arbeitsplätze erhalten.

Doch allein durch Kosteneinsparungen lässt sich ein Bad kaum retten. In Obernkirchen war darum die Attraktivitätssteigerung eines der vorrangigen Ziele. Zahlreiche Veranstaltungen und eine entsprechende flankierende Öffentlichkeitsarbeit führten in diesem Fall zum Erfolg.

Mehr zu diesem Thema in Kürze.


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